Lesetipp Herbst/ Winter 2020/21

Charlotte McConaghy
Zugvögel
Verlag S.Fischer, 320 Seiten, € 22,—

Franny hat ihr ganzes Leben am Meer verbracht, die wilden Strömungen und gefiederten Gefährten den Menschen vorgezogen. Als die Vögel zu verschwinden beginnen, beschließt die Ornithologin den letzten Küstenseeschwalben zu folgen. Inmitten der exzentrischen Crew eines der letzten Fischerboote macht sie sich auf den Weg in die Antarktis. Schutzlos ist die junge Frau den rauen Naturgewalten des Atlantiks ausgeliefert, allein die Vögel sind ihr Kompass. Doch wohin die Vögel sie auch führen, vor ihrer Vergangenheit kann Franny nicht fliehen. Ihr folgt das Geheimnis eines Verbrechens, die Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe. Und schon bald entwickelt sich die Reise zu einem lebensbedrohlichen Abenteuer.

Ronya Othmann
Die Sommer
Verlag Hanser, 288 Seiten, € 22,—

Leyla ist Tochter einer Deutschen und eines jesidischen Kurden. Sie geht in München zum Gymnasium und in allen Sommerferien fährt sie in das jesidische Dorf in Nordsyrien, nahe der Türkei zu ihren Großeltern. Leyla kennt die Geschichte des Dorfes, sie weiß, wo die Koffer versteckt sind, wenn die Bewohner wieder fliehen müssen. Im Internet sieht sie das von Assad vernichtete Aleppo, die Ermordung der Jesiden durch den IS, und gleich daneben die unbekümmerten Fotos und den Alltag ihrer deutschen Freunde. Leyla wird eine Entscheidung treffen müssen.
Dringlich, berührend, wie mit aufgerissenen Augen erzählt Ronya Othmann in ihrem Romandebüt vom Leben im Angesicht der Auslöschung.

Brit Bennett
Die verschwindende Hälfte
Verlag Rowohlt, 480 Seiten, € 22,—

Mallar, ein kleiner Ort im ländlichen Louisiana. Seine Bewohner blicken mit Stolz auf eine lange Tradition und Geschichte – und vor allem auf ihre Kinder, die von Generation zu Generation hellhäutiger zu werden scheinen. Hier werden in den 1950er Jahren Stella und Desiree geboren, Zwillingsschwestern von ganz unterschiedlichem Wesen. Aber in einem sind sie sich einig: An diesem Ort sehen sie keine Zukunft für sich. Doch in New Orleans, wohin sie flüchten, trennen sich bald ihre Wege. Denn Stella tritt unbemerkt durch eine, den weißen Amerikanern vorbehaltene Tür – und schlägt sie kurzerhand hinter sich zu. Desiree dagegen heiratet den dunkelhäutigsten Mann, den sie finden kann. Und Jahrzehnte müssen vergehen bis zu einem unwahrscheinlichen Wiedersehen …

Zsuzsa Bank
Sterben im Sommer
Verlag S.Fischer, 256 Seiten, € 22,—

Seinen letzten Sommer verbringt der Vater am Balaton, in Ungarn, der alten Heimat. Noch einmal sitzt er in seinem Paradiesgarten unter der Akazie, noch einmal steigt er zum Schwimmen in den See. Aber die Rückreise erfolgt im Rettungshubschrauber und Krankenwagen, das Ziel ist eine Klinik in Frankfurt am Main, wo nichts mehr gegen den Krebs unternommen werden kann. Es ist der heiße Sommer des Jahres 2018, und die Tochter setzt sich ans Krankenbett. Mit Dankbarkeit erinnert sie sich an die gemeinsamen Jahre, mit Verzweiflung denkt sie an das kommende. Sie registriert, was verloren geht und was gerettet werden kann. Wie verändert sich jetzt das Gefüge der Familie, und wie verändert sie sich selbst? Was geschieht mit uns im Jahr des Abschieds und was im Jahr danach?

Iris Wolff
Die Unschärfe der Welt
Verlag Klett-Cotta, 216 Seiten, € 20,—

Hätten Florentine und Hannes den beiden jungen Reisenden auch dann die Tür geöffnet, wenn sie geahnt hätten, welche Rolle der Besuch aus der DDR im Leben der Brabanter Familie spielen wird? Hätte Samuel seinem besten Freund Oz auch dann rückhaltlos beigestanden, wenn er das Ausmaß seiner Entscheidung überblickt hätte? In „Die Unschärfe der Welt“ verbinden sich die Lebenswege von sieben Personen, sieben Wahlverwandten, die sich trotz Schicksalsschlägen und räumlichen Distanzen unaufhörlich aufeinander zubewegen. So entsteht vor dem Hintergrund des zusammenbrechenden Ostblocks und der wechselvollen Geschichte des 20. Jahrhunderts ein großer Roman über Freundschaft und das, was wir bereit sind, für das Glück eines anderen aufzugeben.

Thilo Krause
Elbwärts
Verlag Hanser, 208 Seiten, € 22,—

Ein junges Paar kehrt nach Jahren zurück ins bizarre Felsland der Sächsischen Schweiz. Der Wunsch, sich an den Kindheitsorten ein neues Leben aufzubauen, mündet in die Konfrontation mit der Herkunft, aber auch einer neuen Fremdheit. Was wird aus dem Einzelnen in einer Gesellschaft, die alles Andersartige abzulehnen scheint?
Seiner Freundin Christina verschweigt es der Erzähler, aber ihn treibt ein vages Schuldgefühl gegenüber Vito, seinem Schulfreund, der damals beim gemeinsamen Klettern ein Bein verlor. Jetzt streunt er durch die Landschaft, erinnert sich an prägende Augenblicke: an den Unfall, den öffentlichen Tadel in der Schule beim sozialistischen Fahnenappell, an den Bruch. Doch sein erster Anlauf zur Versöhnung misslingt.

Andreas Schäfer
Das Gartenzimmer
Verlag DuMont, € 22,—

Die „Villa Rosen“, ein neoklassizistisches Landhaus, wird 1908 von dem später zu Weltruhm gelangenden Architekten Max Taubert für den Professor Adam Rosen und seine Frau Elsa entworfen. Als Frieder und Hannah Lekebusch Mitte der 90er Jahre das Haus am Rande des Berliner Grunewalds entdecken, erliegen sie seinem verwunschenen Charme. In einer aufwendigen Restaurierung stellen sie den Originalzustand des Hauses wieder her, und schnell wird die neu erstrahlende Villa als „Kleinod der Vormoderne“ zum Pilgerort für Taubert-Fans, Künstler und einflussreiche Journalisten. Und mehr und mehr zum Spielball der unterschiedlichen Interessen. Sie wollten den alten Geist des Hauses wiedererwecken, doch mit den Auswirkungen des Ruhms und dem langen Schatten der Vergangenheit haben die Lekebuschs nicht gerechnet. Kunst, Moral, privates Glück und Politik: „Das Gartenzimmer“ spannt einen Bogen von der Aufbruchstimmung zu Beginn des 20. Jahrhunderts über die Weimarer Republik und die Herrschaft der Nationalsozialisten bis in die Gegenwart und erzählt fesselnd vom Schicksal eines Hauses und dem Leben derer, die sich seiner sirenenhaften Wirkung nicht entziehen können.

Fabio Geda
Ein Sonntag mit Elena
Verlag Hanser, 240 Seiten, € 20,—

Einst reiste er als Ingenieur um die Welt und baute riesige Brücken. Nach dem Tod seiner Frau aber ist es still geworden in der Turiner Wohnung am Fluss. Sein Sohn lebt in Finnland, mit der jüngsten Tochter hat er keinen Kontakt, nur die älteste sieht er ab und zu mit ihrer Familie. An einem Sonntag kocht der ältere Mann ein traditionelles Mittagessen für sie. Doch sie sagt kurzfristig
ab. Im Park lernt er Elena und ihren Sohn kennen und lädt sie spontan zum Essen zu sich ein. Diese zufällige Begegnung wird alle drei für immer verändern.
Eine Geschichte voller Zuversicht und Wärme, die ein stilles Glück in den Herzen zurücklässt.

Nick Hornby
Just like you
Verlag Kiepenheuer&Witsch, 384 Seiten,€ 22,—

Liebe in den Zeiten des Brexits. Es ist das Jahr 2016. Lucy ist 42, Mutter zweier Jungs und Lehrerin. Sie lebt von ihrem Mann getrennt und wählt linksliberal. Joseph ist 22. Aushilfsmetzger, Fußballtrainer und an Politik nicht interessiert. Ausgerechnet diese beiden ungleichen Menschen verlieben sich. Wie heißt es so schön, Gegensätze ziehen sich an … Der Mensch, mit dem du
zusammen bist, ist genau wie du: ähnlicher Background, ähnliches Alter, ähnliche Hobbys und ähnliche Einstellungen. Doch dann geht die Beziehung in die Brüche, und wenn du am wenigsten damit rechnest, verliebst du dich in jemanden, der das genaue Gegenteil verkörpert. Und trotzdem hängt der Himmel voller Geigen. „Wie viele von ihnen liebten Shakespeare? Oder wenigstens das Theater? Wie viele von ihnen kamen, weil sie dachten, sie müssten, oder weil sie dazu erzogen worden waren? Es waren keine jungen Leute in der Kloschlange, aber das lag vielleicht daran, dass sie nicht pinkeln mussten, und es gab nirgendwo Schwarze. Sie sah sich ihre Gesichter an und versuchte zu erkennen, ob einer von ihnen vielleicht für den Brexit gestimmt haben könnte, aber das war schwer zu sagen. Über die Hälfte des Landes hatte für den Brexit gestimmt und einige von ihnen waren ganz sicher hier. Wie hätte Shakespeare wohl gestimmt? Das war hier die Frage.“

Richard Wagamese
Das weite Herz des Landes
Verlag Blessing, 250 Seiten, € 22,—

Als der sechzehnjährige Franklin Starlight herbeigerufen wird, um seinen kranken Vater Eldon, den er kaum kennt, zu besuchen, trifft er auf einen alten, vom Alkohol gezeichneten, zum Tode geweihten Mann. Die beiden machen sich auf den Weg durch das raue und rabiat schöne Herzland British Columbias und auf die Suche nach einer letzten Ruhestätte, wo Eldon nach Art der indianischen Krieger beerdigt werden will. Auf der Reise erzählt der Vater dem Sohn seine Lebensgeschichte, die Momente der Verzweiflung genauso wie die Tage der Hoffnung und des Glücks – und von den Opfern, die er um der Liebe Willen gebracht hat. So entdeckt Franklin eine Welt, die er nicht kannte, eine Geschichte, die ihm fremd war, und ein Erbe, das er hüten kann.

Thomas Hettche
Herzfaden
Verlag Kiepenheuer u. Witsch, 288 Seiten, € 24,—

Ein großer Roman über ein kleines Theater: die Augsburger Puppenkiste. Ein zwölfjähriges Mädchen gerät nach einer Vorstellung der Augsburger Puppenkiste durch eine verborgene Tür auf einen märchenhaften Dachboden, auf dem viele Freunde warten: die Prinzessin Li Si, Kater Mikesch, Lukas, der Lokomotivführer. Vor allem aber die Frau, die all diese Marionetten geschnitzt hat und nun ihre Geschichte erzählt. Es ist die Geschichte eines einmaligen Theaters und der Familie, die es gegründet und berühmt gemacht hat. Sie beginnt im 2.Weltkrieg, als Walter Oehmichen, ein Schauspieler des Augsburger Stadttheaters, in der Gefangenschaft einen Puppenschnitzer kennenlernt und für die eigene Familie ein Marionettentheater baut. In der Bombennacht 1944 verbrennt es zu Schutt und Asche. „Herzfaden“ erzählt von der Kraft der Fantasie in dunkler Zeit und von der Wiedergeburt dieses Theaters. Nach dem Krieg gibt Walters Tochter Hannelore Hatü in der Augsburger Puppenkiste Waisenkindern wie dem Urmel und kleinen Helden wie Kalle Wirsch ein Gesicht. Generationen von Kindern sind mit ihren Marionetten aufgewachsen. Die Augsburger Puppenkiste gehört zur DNA dieses Landes, seit in der ersten TV-Serie im westdeutschen Fernsehen erstmals Jim Knopf auf dem Bildschirm erschien.

Rye Curtis
Cloris
Verlag C.H.Beck, 352 Seiten, € 24,—

Rangerin Debra Lewis hat sich von ihrem Mann scheiden lassen, der in drei verschiedenen Bundesstaaten mit drei verschiedenen Frauen verheiratet war. Nun trinkt sie Merlot, um durch den Tag zu kommen. Als sie ein rätselhafter Notruf erreicht, ist Rangerin Lewis die Einzige, die an das Überleben von Mrs. Cloris Waldrip glaubt. Trotz der Aussichtslosigkeit des Unterfangens macht sie sich gemeinsam mit einer Gruppe verschrobener „Friends of the Forest“ auf die Suche nach dem abgestürzten Flugzeug und der vermissten Cloris. Cloris hat den Flugzeugabsturz auf wundersame Weise überlebt und nun muss sich die 72-Jährige durch die unbarmherzige Natur im Norden der USA schlagen – ausgerüstet mit einem einzelnen Stiefel, einer Bibel und ein paar Karamellbonbons. Aber jemand scheint eine schützende Hand über sie zu halten. Ist sie doch nicht allein?

Maggie O`Farrell
Judith und Hamnet
Verlag Piper, 368 Seiten, € 22,—

Agnes sieht ihn und weiß: Das wird er sein. Dabei ist der schmächtige Hauslehrer noch keine achtzehn. Besser, sie küsst ihn schnell und erwartet ein Kind, bevor ihr einer die Heirat verbieten kann. Später sind es drei geworden. In London treibt William wer weiß was mit diesen Theaterstücken, als der elfjährige Hamnet die Beule am Hals seiner Schwester ertastet und als Agnes den Schwarzen Tod erblickt. Maggie O´Farrell entdeckt Shakespeare neu, als Liebenden und als Vater. Vor allem aber erzählt sie erstmals die unvergessliche Geschichte seiner eigensinnigen, zärtlich kühnen Frau: Agnes.

Olga Grjasnova
Der verlorene Sohn
Verlag Aufbau, 304 Seiten, € 22,—

Akhulgo, 1838: Jamalludin wächst als Sohn eines mächtigen Imams im Kaukasus auf. Seit Jahren tobt der kaukasische Krieg und die muslimischen Bergvölker Dagestans und Tschetscheniens kämpfen gegen die russischen Eroberer. Nun belagert das russische Heer Akhulgo, und in höchster Not gibt Jamalludins Vater seinen ältesten Sohn als Unterpfand, um mit dem Feind verhandeln zu können. So gelangt der kleine Junge nach Sankt Petersburg, an den prächtigen Zarenhof. Der Zar will den Sohn seines Widersachers als Russen erziehen, um ihn später als Verbündeten zurück in den Kaukasus zu schicken. Jamalludin ist hin- und hergerissen zwischen der Sehnsucht nach seinem Elternhaus und den Möglichkeiten, die sich ihm in Petersburg bieten. Olga Grjasnowa erzählt sprachmächtig und eindringlich von einer uns unbekannten Welt, die doch unmittelbar mit unserer zu tun hat: Vom Heiligen Krieg und von einem Kind, das zwischen zwei Kulturen steht und seinen eigenen Weg finden muss.

Krimis

Joachim B. Schmidt
Kalmann
Verlag Diogenes, 352 Seiten, € 22,—

Er ist der selbsternannte Sheriff von Raufarhöfn. Er hat alles im Griff. Kein Grund zur Sorge. Tag für Tag wandert er über die weiten Ebenen um das beinahe ausgestorbene Dorf, jagt Polarfüchse und legt Haiköder im Meer aus, um den Fang zu Gammelhai zu verarbeiten. Doch in Kalmanns Kopf laufen die Räder manchmal rückwärts. Als eines Winters eine Blutlache im Schnee entdeckt, überrollen ihn die Ereignisse. Mit seiner naiven Weisheit und dem Mut des reinen Herzens wendet er alles zum Guten. Kein Grund zur Sorge …

Hans Rosenfeldt
Wolfssommer
Verlag Wunderlich, 480 Seiten, € 22,—

In der schwedischen Stadt Haparanda wird ein toter Wolf gefunden. Als die Behörden das Tier untersuchen, finden sie im Magen menschliche Überreste. Nachforschungen führen die Ermittler auf eine Spur: in Finnland ist ein Drogendeal aus dem Ruder gelaufen, es gab mehrere Tote. Und daher tauchen gleich mehrere Kriminelle in Haparanda auf – allen voran die Profi-Killerin Katja, die für ihren russischen Auftraggeber Drogen und Geld zurückholen soll. Die leitende Polizistin vor Ort, Hanna Wester, hat noch ganz andere Probleme: Sie befürchtet, ihr Mann könne sie verlassen, die Affäre mit ihrem jüngeren Chef macht es nicht besser. Doch Hanna steht ihre Frau.

Mons Kallentoft
Verschollen in Palma
Verlag Tropen, 416 Seiten, € 15,—

Drei Jahre ist es her, dass Tim Blancks sechzehnjährige Tochter Emme während einer Partyreise nach Mallorca verschwand. Die Polizei hat den Fall längst abgeschlossen. Doch Tim hat sich geschworen niemals aufzugeben – ein Versprechen, das seine Ehe zerstörte und ihn alle Zelte in Schweden abbrechen ließ. Mittlerweile arbeitet er in Palma als Privatdetektiv. Für einen Auftrag soll er die untreue Ehefrau eines deutschen Millionärs beschatten. Doch schon bald wird ihr Geliebter ermordet aufgefunden, die junge Frau verschwindet spurlos. Tim beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und gerät in die üblen Machenschaften von Mallorcas High Society. Hier, im dunklen Herzen des Urlaubsparadieses, zwischen Gier, Korruption und Gewalt, stößt er plötzlich auf eine Spur seiner Tochter. Was ist mit Emme passiert? Und ist sie noch am Leben?

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Historisches und Wissenswertes

Amartya Sen
Die Welt teilen – Sechs Lektionen über Gerechtigkeit
Verlag C.H.Beck, 128 Seiten, € 12,—
und vom selben Autor:
Identität und Gewalt
Verlag C.H.Beck,208 Seiten, € 12,95

Amartya Sen ist Professor für Ökonomie an der Harvard Universität. 1998 erhielt er den Nobelpreis für Ökonomie, mehr als 100 Ehrendoktorate wurden ihm bis heute verliehen. Nun erhält er in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Er hat mit seinen Arbeiten die Welt verändert wie nur wenige andere Intellektuelle unserer Zeit. Vor allem wenn es um Fragen der Gerechtigkeit geht, ist er eine international anerkannte Instanz. Dass nicht das Wirtschaftswachstum allein über die Entwicklung eines Landes Auskunft gibt, sondern das, was bei den Menschen ankommt und wie es ihre Chancen dauerhaft verbessert, ein selbstbestimmtes Leben in Würde zu führen – diese Zentrale Einsicht geht ganz wesentlich auf ihn zurück. Stets geht es in Sens Denken darum, das Bewusstsein für soziale Ungerechtigkeiten zu schärfen und die Lebensbedingungen benachteiligter Menschen ganz konkret zu verbessern.

Norman Davies
Ins Unbekannte
Eine Weltreise in die Geschichte
Verlag Theiss, 896 Seiten, € 39,95

Eine Reise um die Welt: Welche Geschichte wohnt den Orten inne? Ob in Baku, Singapur oder Cornwall, auf Haiti oder Neuseeland: Jeder Ort hat seine Geschichte oft unerwartet, ungewöhnlich oder völlig unbekannt. Der renommierte Historiker N. Davies hat sich auf die Suche nach diesen Geschichten gemacht. Sein Buch ist ein Reisebericht der besonderen Art: eine Weltreise in die Vergangenheit, eine historische Spurensuche. Im Alter von 73 Jahren reist Davies von der südlichsten Spitze der Südseeinseln bis zum Nordkap einmal rund um den Globus. So entstand sein persönliches Reisetagebuch, das gleichzeitig ein Füllhorn an historischem Wissen und überraschenden Fakten bereit hält.

Thomas Fischer
Gladius – Roms Legionen in Germanien
Verlag C.H.Beck, 352 Seiten, € 26,95

Fünfhundert Jahre lebten Römer und Germanen nebeneinander – oft als Feinde, zeitweise auch als Nachbarn. Thomas Fischer erhellt ihre wechselvolle Geschichte von den Eroberungszügen Caesars bis zu den Anfängen des Merowingerreichs. Sein detailreiches und informatives Werk ist unverzichtbar für alle, die mehr über Krieger und Legionäre, ihre Lager und Aufmarschwege, ihre Kampfverbände und Schlachten wissen wollen.

Guido Tonelli
Genesis
Verlag Beck, 219 Seiten, € 22,—

Keine Kultur kann existieren ohne eine Erzählung von den Ursprüngen. Der italienische Teilchenphysiker Guido Tonelli erzählt in „Genesis“ die große Geschichte von der Entstehung unseres Universums, angefangen beim Big Bang und den allerersten Augenblicken danach bis zu unserem Sonnensystem. Sein Buch ist der meisterhafte Versuch, aus dem Wissen der heutigen Astrophysik heraus eine Erzählung von den Ursprüngen zu entwickeln, die nie die Grenzen der Wissenschaft verlässt, sich aber an den großen Mythen messen lassen kann.

Kinder- und Jugendbücher

Amy Timberlake
Dachs und Stinktier
Verlag cbj, 200 Seiten, € 16,—
ab 6 Jahre

Dachs ist nicht unzufrieden mit seinem Leben.; Als passionierter Steineforscher verbringt er mit eintöniger Routine seinen Alltag. Ansonsten tut sich nicht viel. Und das ist auch gut so, findet Dach. Auftritt Stinktier! Der steht eines Tages vor Dachs Haustür und stellt sich als neuer Mitbewohner vor. Ehe Dachs sich versieht, richtet Stinktier sich ein, verbreitet Chaos und wirft unbekümmert die Hausordnung über den Haufen. Außerdem erzählt Stinktier gerne Geschichten und lädt als Publikum eine Hühnerschar aus der Nachbarschaft ein. Ein Haufen Hühner? In seinem stillen Haus? Dachs ist zutiefst erschüttert! Er will seinen grauen Forscheralltag zurück, komme was wolle. Erst als Dachs die Hühner und Stinktier vertrieben hat, muss er erkennen, wie sehr er sie vermisst.

Kirsten John
Die Nachsitzprofis – Allein unter Schnappschildkröten
Verlag Arena, 160 Seiten, € 12,—
ab 9 Jahre

Es muss schon etwas Schlimmes sein, das Clara, Julian, Felix und Fee angestellt haben, dass sie nachsitzen müssen. Wobei Nachsitzen das falsche Wort ist: Eigentlich sollen sie den Schulgarten in Schuss bringen, auch das Becken mit den allzeit zuschnappenden Schildkröten. Doch oh Schreck! Erst buddelt Felix im Garten einen Schädel aus. Dann tauchen mehrere verdächtige Männer auf, die sich als Sportlehrer ausgeben. Wird hier etwa ein Mord vertuscht? Und was hat der mürrische Hausmeister Kratzek zu verbergen? Gemeinsam müssen die Kinder herausfinden, was an der verlassenen Schule vor sich geht – und wenn es hart auf hart kommt, halten die vier Nachsitz-Profis natürlich zusammen.

Antonia Michaelis
Der Koffer der tausend Zauber
Verlag Oetinger, 300 Seiten, € 15,—
ab 10 Jahre

Als der elfjährige madagassische Straßenjunge Rabé einen magischen Koffer erbt, ändert sich sein Leben mit einem Schlag. Denn darin findet er eine Schatzkarte, die zu einem Ort tief im Dschungel führt. Zusammen mit dem deutschen Jungen Benja begibt sich Rabé auf die Suche nach dem Schatz. Doch wer ist die bucklige alte Frau, die ihnen immer wieder begegnet? Was will der Mann im schwarzen SUV, der sie verfolgt? Und was haben die kleine Kintana und der alte Magier mit dem Schatz zu tun? Am Ende lüften die Jungen das Geheimnis um den Koffer, seinen früheren Besitzer und ein tragisches Unglück, das viele Jahre zurückliegt.

Sharon Cameron
Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete
Verlag Insel, 480 Seiten, € 18,—
ab 12 Jahre

Polen, 1939; Die sechzehnjährige Stefania und Izio sind frisch verliebt und wollen heiraten. Doch dann beginnt der Zweite Weltkrieg. Izio und seine Familie müssen ins Ghetto der Stadt Przemysl ziehen, denn sie sind Juden. Stefania ist plötzlich ganz auf sich allein gestellt – und muss sich um ihre kleine Schwester Helena kümmern, denn auch ihre eigene Mutter wurde in ein Zwangsarbeiterlager deportiert. Gleichzeitig versucht sie, Izios Familie zu helfen, wo sie kann, indem sie Lebensmittel und Medikamente ins Ghetto schmuggelt – obwohl dies bei Todesstrafe verboten ist. Als Izio und seine Eltern ermordet werden, bricht für Stefania eine Welt zusammen. Doch seinem Bruder Max gelingt im letzten Moment die Flucht vor der Deportation in die Todeslager – zu Stefania, die nun eine Entscheidung treffen muss. Sie bietet Max und zwölf weiteren Juden Zuflucht auf ihrem Dachboden.

Kevin Wignall
When we were lost
Verlag cbt, 352 Seiten, € 13,—
ab 14 Jahre

19 Teenager und ein Flugzeugabsturz über dem Dschungel: Wer wird überleben?
Überleben – kein Thema mit dem sich normale High-School-Schüler schon mal befasst haben. Es sei denn, ihr Flugzeug stürzt über dem südamerikanischen Dschungel ab und kein Erwachsener hat überlebt. Völlig auf sich gestellt wird den 19 Jugendlichen erst nach und nach klar, dass die wahren Gefahren noch vor ihnen liegen: wilde Tiere, giftige Reptilien und Insekten, ganz zu schweigen von der unerbittlichen Hitze. Jede ihrer Entscheidungen wird von nun an eine über Leben oder Tod sein.

Und ein Schatz für die ganze Familie:

Astrid Lindgren; Linda Andersson
Pippi Langstrumpf – Heldin, Ikone, Freundin
Verlag Oetinger, 224 Seiten m. zahlr. Abb., € 30,—

Ein Fest für alle Pippi – Fans: das Coffee Table Book
Pippi Langstrumpf: Kinderliebling seit 75 Jahren! Doch längst hat das Mädchen mit den roten Zöpfen auch die Herzen der Erwachsenen erobert, sie ist Kultfigur und Vorbild, ihre Lebensphilosophie ist in aller Munde und Teil unserer Alltagswelt. In diesem Buch erzählen bekannte Persönlichkeiten, Pippi-Freunde und Kenner, was sie an Pippi so lieben. Wir blicken auf die Pippis in aller Welt und erfahren Spannendes über Pippi in ihren jungen Jahren und was Pippi heute bedeutet.

Schönes und Nützliches

Hrsg. Tobias Roth
Welt der Renaissance
Verlag Galiani, 640 Seiten, € 89,—

Das Buch der Bücher über Literatur, Gedankenwelt, Alltag und Geschichte der italienischen Renaissance. Nichts war undenkbar, alles erlaubt alles wurde ausprobiert. die italienische Renaissance steht am Beginn des modernen Europa. Durch diese Kulturrevolution entstanden neue Haltungen zur Welt und zur Menschheit, die die westliche Kultur bis heute prägen. In dem in jahrelanger Arbeit entstanden Folioband gelingt es Tobias Roth, ein großflächiges Epochenbild zu entwerfen, das die Fülle, Vitalität, Widersprüchlichkeit und Innovationskraft dieser Zeit zeigt: faszinierende Jahrhunderte des freien Denkens und des Aufbruchs, in denen Kunst und Kultur blühen und gedeihen wie nie zuvor und nie wieder danach.

Die schönsten Bauwerke der Menschheit
Verlag Dorling Kindersley, 336 S. m. 950 farb. Fotos, € 39,95

Historische Sehenswürdigkeiten sind der Inbegriff des kreativen Geistes der Menschheit! In Kooperation mit GEO ist dieses Buch eine reich bebilderte Hommage an die imposantesten baulichen Wunder der Welt aus allen Epochen. Von Stonehenge bis Burj Khalifa – zeigen atemberaubende Fotografien zu welchen architektonischen Meisterwerken die Menschen in den verschiedenen Epochen fähig waren. Interessante Hintergrundinformationen beschreiben die Entstehungsgeschichte der Gebäude und liefern spannende Details zu den Baumaterialien, Techniken und architektonischen Besonderheiten.

Huw Lewis-Jones, Hrsg.
Das Buch des Meeres
Tage- und Skizzenbücher großer Seefahrer
Verlag DuMont, 304 Seiten, zahlr. Abb., € 40,—

Das Meer ist eine endlose Quelle der Faszination, zugleich berauschend, geheimnisvoll, ein Ort des Schreckens und Staunens. Zu jeder Zeit sind Menschen in See gestochen, um neue Länder zu entdecken, Handel zu treiben und Abenteuer zu erleben. Die Zeit, in der eigens Expeditionszeichner auf Reisen mitgenommen und Erlebnisse in Tagebüchern dokumentiert wurden ist längst vorbei, und so sind diese Skizzenbücher ein einzigartiges Dokument von fast 500 Jahren Seefahrtsgeschichte.

Jackie Bennett
Die Gärten der Dichter
25 grüne Oasen, die Schriftsteller inspirierten
Verlag Gerstenberg, 176 Seiten, € 29,95

Der Garten war für viele Schriftsteller eine Quelle der Inspiration und ein Rückzugsort, an dem häufig ihre schönsten Werke entstanden. Bei Agatha Christie diente ihr Landsitz Greenway als Kulisse für drei erfolgreiche Romane, und Jane Austen ließ ihre Heldinnen durch Parkanlagen wandeln, die sie selbst gut kannte. Enid Blyton schrieb über 40 Kinderbücher als sie im Old Thatch Cottage wohnte, zu dem ein riesiger Garten gehört. Dieses Buch schildert die besondere Rolle, die Gärten im Schaffensprozess von Autoren einnahmen. Ein großes Vergnügen für Literatur- und Gartenfreunde!

Yotam Ottolenghi u. Ixta Belfrage
Flavour – Mehr Gemüse, mehr Geschmack
Verlag Dorling Kindersley, 320 Seiten, € 29,95

Innovative, geschmacklich exzellente Rezepte auf Gemüsebasis sind das Herzstück von Yotam Ottolenghis Küche. In diesem atemberaubenden neuen Kochbuch destillieren Yotam Ottolenghi und seine Co-Autorin Ixta Belfrage aus ihrem Wissen drei Faktoren, die den Geschmack formen und präsentieren raffinierte Gemüsegerichte mit Zutatenkombinationen, die begeistern und inspirieren. Ottolenghis „Flavour“ bietet einfache Alltagsrezepte, Gerichte mit Wow-Effekt bei geringem Auffwand sowie grandiose Menüs, die sich dennoch entspannt nachkochen lassen.

Und zu guter Letzt …

Nikolaus Heidelbach
Alles Gut?
Verlag Kampa, 64 Seiten, € 16,—

Noch ein Coronabuch? Aber was für eins!
Am 8.3.2020, nach bereits vier Wochen freiwilliger Quarantäne, beschließt ein Mann (Nikolaus Heidelbach?), Tagebuch zu führen, um die Dinge im Griff zu behalten. Kontrollnotizen, nennt er das. Außenkontakte gibt es keine mehr, allerdings beginnt die 26-Zimmer-Wohnung ein unangenehmes Eigenleben zu entwickeln. Ob Fiebermessen, Nasen-Mund-Schutz und Abstand halten dagegen helfen?
Lesen Sie und schauen Sie selbst!

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