Lesetipp Herbst/ Winter 2017 – 2018

2017 ist Frankreich zu Gast auf der Frankfurter Buchmesse.
Viele Bücher sind dazu erschienen. Besonders aufgefallen ist uns diese junge Autorin mit ihrem außergewöhnlichen Debut, für das sie den Prix Goncourt 2016 bekam:

Leila Slimani
Dann schlaf auch du
Verlag Luchterhand, 224 Seiten, € 20,—

Sie haben Glück gehabt, denken sich Myriam und Paul, als sie Louise einstellen – eine Nanny wie aus dem Bilderbuch, die auf ihre beiden kleinen Kinder aufpasst, in der schönen Pariser Altbauwohnung im 10. Arrondissment. Myriam und Paul können sich endlich ganz auf ihre Arbeit konzentrieren, während Louise, wie mit unsichtbaren Fäden, die Familie zusammenhält, ebenso unbemerkt wie mächtig. In wenigen Wochen schon ist ihre Kinderfrau unentbehrlich geworden. Myriam und Paul ahnen nichts von den Abgründen und der Verletzlichkeit der Frau, denen sie das Kostbarste anvertrauen, das sie besitzen. Von der tiefen Einsamkeit, in der sich die fünfzigjährige Frau zu verlieren droht. Bis eines Tages die Tragödie über die kleine Familie hereinbricht. Ebenso unaufhaltsam wie schrecklich.

Edward Docx
Am Ende der Reise
Verlag Kein & Aber, 420 Seiten, € 25,—

Lou fährt seinen unheilbar kranken Vater Larry zu einer Klinik in Zürich – sein Vater möchte Sterbehilfe in Anspruch nehmen, was in seiner Heimat England gesetzlich verboten ist. Als nach vielen Kilometern in ihrem 80er-Jahre-VW Lous ältere Halbbrüder nach erstem Widerstand doch noch dazustoßen, deckt die Reise immer mehr innerfamiliäre Befindlichkeiten auf. Sie kämpfen, streiten, lachen, betrinken sich, philosophieren über das Leben und sich selbst.
Wie verbringt man die letzten Tage mit seinem Vater, der sich für Sterbehilfe entschieden hat? Ein umwerfender Roman, der mit viel Humor familiäre Beziehungen seziert und dabei keine Gefühlslage außer Acht lässt, ohne je kitschig zu sein.

Ljudmila Ulitzkaja
Jakobsleiter
Verlag Hanser, 640 Seiten, € 26,—

Von ihrer Großmutter hat Ljudmila Ulitzkaja eine Truhe mit Briefen ihrer Großeltern geerbt. Daraus entstand ihr neuer Roman: dramatische Schicksale einer Familie, eng verknüpft mit der russischen Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Nach der Revolution ziehen Jakow und Marussja mit ihrem kleine Sohn nach Moskau. Während Marussja der neuen Sowjetregierung vertraut, erkennt Jakow als Wirtschafts-fachmann bald die Missstände. Als Volksfeind wird er in die Verbannung geschickt. Während er in Sibirien ist, lässt sich seine Frau scheiden. Auch sein Sohn Genrich wendet sich von ihm ab, und seine Enkelin Nora sieht er nur einmal als Kind. Sie, die später ein bewegtes Leben führt, lernt ihren Großvater erst aus seinen Liebesbriefen an die Großmutter kennen. Aus seiner KGB -Akte erfährt sie die politischen Hintergründe und auch, dass es ihr eigener Vater war, der seinen Vater bei einem Verhör verraten hat.

Gael Faye
Kleines Land
Verlag Piper, 224 Seiten, € 20,—

„ Bevor alles geschah, von dem ich hier erzählen werde, gab es nur das Glück, das nicht erklärt werden musste. Wenn man mich fragte, wie geht es dir, habe ich geantwortet: gut.“ Damals traf sich Gabriel mit seinen Freunden auf der Straße, erlebte seine Kindheit wie in einem paradiesischen Kokon. Bis seine Familie zerbrach und fast zur selben Zeit sein kleines Land, Burundi, bei einem Militärputsch unvorstellbare Grausamkeiten erdulden musste – und seine Mutter den Verstand verlor. Zwanzig Jahre später erst, nach der Flucht mit seiner Schwester in ein fernes fremdes Frankreich, kehrt Gabriel in eine Welt zurück, die er selbst verschwunden glaubt. Doch er findest dort etwas wieder, das er für unwiederbringlich verloren hielt.
„Kleines Land“ ist ein überwältigendes Buch, voller Schrecken und Glückseligkeit, Güte und ewiger Verlorenheit.

Markus Orths
Sechs Frauen, sechs Lieben, ein Jahrhundert
Verlag Hanser, 576 Seiten, € 24,—

Dieser Roman entwirft das Panorama einer wahnwitzigen Zeit. Und mittendrin Max, Max Ernst, einer der großen Künstler des 20. Jahrhunderts. Von seiner Rebellion gegen den wilhelminischen Vater über das Treiben durch das wilde Paris der zwanziger Jahre bis zu seinem entbehrungsreichen Leben auf der Flucht und im amerikanischen Exil. Viele seiner Frauen und Freunde sind berühmte Menschen dieser Zeit: Leonora Carrington, Peggy Guggenheim, Pablo Picasso, André Breton. Sie alle sind getrieben von ihrer Verzweiflung, ihrem Rausch, ihrerLust.
Markus Orths erzählt so lebendig – in jeder Zeile spürt man die Leidenschaft, mit der dieser Roman geschrieben wurde.

Zadie Smith
Swing Time
Verlag Kiepenheuer & Witsch, 640 Seiten, € 24,—

Zwei Mädchen lernen sich beim Tanzen kennen, fortan sind sie unzertrennlich. Die eine hat Talent und die andere hat Ideen: über Rhythmus und Zeit, über schwarze Haut und schwarze Musik, über Stammeszugehörigkeit, Milieu, Bildung und Chancenungleichheit.
Als sie sich zum ersten Mal begegnen, fühlen sie sich sofort zueinander hingezogen. Die gleiche Leidenschaft fürs Tanzen und für Musicals verbindet sie, doch auch der selbe Londoner Vorort und die Hautfarbe. Ihre Wege trennen sich, als Tracey tatsächlich Tänzerin wird und erste Rollen in Musicals bekommt. Ihre Freundin wiederum jettet als Assistentin der berühmten Sängerin Aimee um die Welt. Als Aimee in Afrika eine Schule gründen will, reist sie ihr voraus und lässt sich durch das Land, in dem ihre Wurzeln liegen, verzaubern und aus dem Rhythmus bringen.
„Bewegend, lustig und wahrhaftig analysiert dieser Roman mit der Eleganz von Fred Astaire oder Michael Jackson Themen wie Hautfarbe und Weltpolitik“ Kirkus Reviews

Ayelet Gundar-Goshen
Die Lügnerin
Verlag Kein & Aber, 352 Seiten, € 25,—

Noy Schalev verkauft im Sommer in einem Tel Aviver Einkaufszentrum Eis. Dutzende von Kunden betreten Tag für Tag die Eisdiele, doch niemand würdigt Noy auch nur eines zweiten Blickes. Sie ist kein Mädchen, auf dem das Auge länger verweilt als notwendig. Als Noy jedoch die Gelegenheit bekommt, aus einem Missverständnis eine Lüge zu formen, ändert sich alles für sie – plötzlich liegt ihr die Welt zu Füßen. Wäre da nicht der Junge Lavie Maimon, der – seit er weiß, was seine Mutter während der Pilatesstunde wirklich macht – eine gute Lügnerin erkennt, wenn er sie sieht.

Robert Menasse
Die Hauptstadt
Verlag Suhrkamp, 461 Seiten, € 24,—

Fenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur der Europäischen Kommission, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Sie soll das Image der Kommission aufpolieren. Aber wie? Sie beauftragt den Referenten Martin Susman, eine Idee zu entwickeln. Die Idee nimmt Gestalt an – die Gestalt eines Gespenstes aus der Geschichte, das für Unruhe in den EU-Institutionen sorgt. David de Vriend dämmert in einem Altenheim gegenüber dem Brüsseler Friedhof seinem Tod entgegen. Als Kind ist er von einem Deportationzug gesprungen, der seine Eltern in den Tod führte. Nun soll er bezeugen, was er im Begriff ist zu vergessen. Auch Kommissar Brunfaut steht vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss aus politischen Gründen einen Mordfall auf sich beruhen lassen; „ zu den Akten legen“ wäre zu viel gesagt, denn diese sind unauffindbar. Und Alois Erhart, Emeritus der Volkswirtschaft, soll in einem Think-Tank der Kommission vor den Denkbeauftragten aller Länder Worte sprechen, die seine letzten sein könnten.

Franz Hohler
Das Päckchen
Verlag Luchterhand, 250 Seiten, € 20,—

Als er gerade dienstlich in Bern ist, erreicht den Züricher Bibliothekar Ernst ein offensichtlich irregeleiteter Anruf. Am anderen Ende der Leitung ist eine ihm unbekannte Frau, die ihn anfleht, umgehend zu ihr zu kommen. Aus einer Augenblickslaune heraus begibt sich Ernst zu der nahe gelegenen Adresse. Dort erwartet ihn eine ältere Frau und drückt ihm ein kleines Päckchen in die Hand. Dieses sei, so sagt sie, aus dem Nachlass ihres verstorbenen Mannes, und Ernst solle es verwahren, damit es nicht in falsche Hände gerate. Zu seiner eigenen Verblüffung kommt Ernst der Bitte nach. Als er das Päckchen bei sich zu Hause öffnet, entdeckt er eine alte Handschrift, die er als Original des „Abrogans“ erkennt, eines lateinisch-althochdeutschen Wörterbuchs, das als vermutlich ältestes deutschsprachiges Buch überhaupt gilt. Was, fragt sich Ernst, hat es mit diesem Fund auf sich? Und was soll er jetzt am besten tun …

Paolo Cognetti
Acht Berge
Verlag DVA, 256 Seiten, € 20,—

Wagemutig erkunden Pietro und Bruno als Kinder die verlassenen Häuser des kleinen Bergdorfs, streifen an endlosen Sommertagen durch schattige Täler, folgen dem Wildbach bis zu seiner Quelle. Als erwachsene Männer schlagen die beiden Freunde ganz verschiedene Wege ein. Der eine wird sein Heimatdorf nie verlassen, der andere zieht als Dokumentarfilmer in die weite Welt hinaus. Doch immer wieder zieht es Pietro in die Berge zurück, zu diesem Dasein in Stille, Ausdauer und Maßhalten. Er ringt mit Bruno um die Frage , welcher Weg der richtige ist. Stadt oder Land? Gehen oder Bleiben? Was zählt wirklich im Leben?
Vor der ehrfurchtgebietenden Kulisse des Monte-Rosa-Massivs schildert Paolo Cognetti mit großer poetischer Kraft die lebenslange Suche zweier Freunde nach dem Glück. Eine eindringliche, archaische Geschichte über die Unbezwingbarkeit der Natur und des Schicksals, über das Leben, die Liebe und den Tod.

Sabrina Janesch
Die goldene Stadt
Verlag Rowohlt, 544 Seiten, € 22,95

Peru, 1887. Das ganze Land redet nur von einem Mann – und seiner großen Entdeckung: Augusto Berns will die verlorene Stadt der Inka gefunden haben. Das Medienecho reicht von Lima bis London und New York. Doch wer ist der Mann, der vielleicht El Dorado entdeckt hat? Alles beginnt mit einem Jungen, der am Rhein Gold wäscht und sich in erträumten Welten verliert, der später in Berlin den glühend verehrten Alexander von Humboldt befragt, um bald darauf einen Entschluss zu fassen: Er, Berns, will die goldene Stadt finden. Berns wagt die Überfahrt nach Peru, wo er eher zufällig zum Helden im Spanisch – Südamerikanischen Krieg wird, dann als Ingenieur der Eisenbahn Mittel für seine Expedition sammelt. Mit dem Amerikaner Harry Singer besteigt er die Höhen der Anden und schlägt sich durch tiefsten Dschungel – um schließlich an einen Ort zu gelangen, der phantastischer ist als alles, was er sich je vorgestellt hat. Erst seit kurzem weiß man, dass das sagenumwobene Machu Picchu in Peru von einem Deutschen entdeckt wurde.
Sabrina Janesch hat sich auf die Spuren des vergessenen Entdeckers begeben und erzählt seine aufregende Geschichte. Ein Roman von großer literarischer Kraft, der uns in eine exotische Welt eintauchen lässt – und zeigt, was es bedeutet, für einen Traum zu leben.
Sabrina Janesch wird am 23. November in der
Ritterschen Buchhandlung aus ihrem neuen Roman lesen.

Klaus Cäsar Zehrer
Das Genie
Diogenes Verlag, 656 Seiten, € 25,—

Boston, 1910. Der elfjährige William James Sidis wird von der amerikanischen Presse als „Wunderjunge von Harvard“ gefeiert. Sein Vater Boris, ein bekannter Psychologe mit dem brennenden Ehrgeiz, die Welt durch Bildung zu verbessern, triumphiert. Er hat William von Geburt an mit einem speziellen Lernprogramm trainiert. Durch die Anwendung der Sisis-Methode könnten alle Kinder die gleichen Fähigkeiten entwickeln wie sein Sohn, behauptet er. Doch als William erwachsen wird, bricht er mit seinen Eltern und seiner Vergangenheit. Er weigert sich, seine Intelligenz einer Gesellschaft zur Verfügung zu stellen, die von Ausbeutung, Profitsucht und Militärgewalt beherrscht wird. Stattdessen versucht er, sein Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten – mit aller Konsequenz.

Krimis

Lize Spit
Und es schmilzt
Verlag Fischer, 512 Seiten, € 22,—

Mit einem Eisblock im Kofferraum fährt Eva in ihr Heimatdorf. Neun Jahre lang ist sie nicht dort gewesen. Und sie hat nie zurückgeblickt – bis eine Einladung ihrer beiden ältesten Freunde alles zurückholt: die Schlinge, die der Vater ihr im Schuppen zeigt, die betrunkene Mutter, die mit der Schubkarre vom Gemeindefest abgeholt werden muss. Und den Sommer, in dem Evas Freunde zu ihren dunkelsten Dämonen werden; den Sommer, den Eva seit dreizehn Jahren zu vergessen versucht.
Mit Präzision und erzählerischer Brillianz treibt Lize Spit ihre Geschichte einem Ende entgegen, das einen im Innersten erschüttert. Der literarische Erdrutsch über die zweifache Rache einer jungen Frau.

Elisabeth Herrmann
Stimme der Toten
Goldmann Verlag, 544 Seiten, € 20,—

Judith Kepler ist Tatortreinigerin. Sie wird gerufen, wenn der Tod Spuren hinterlässt, die niemand sonst beseitigen kann. In einem Berliner Bankhaus ist ein Mann in die Tiefe gestürzt. Unfall oder Selbstmord? Judith entdeckt Hinweise, die Zweifel wecken. Als sie die Polizei informiert, ahnt sie nicht, welche Lawine sie damit lostritt: Sie gerät in Visier einer Gruppe, die plant, die Bank zu hacken. Ihr Anführer ist Bastide Larcan, ein ebeso mächtiger wie geheimnisvoller Mann, der Judith zur Zusammenarbeit zwingt. Kann es sein, das Larcan in die Ermordung ihres Vaters verstrickt war? Sie weiß, sie wird nicht ruhen, bis sie endlich die Wahrheit erfährt, was als Kind mit ihr wirklich geschah…

John Hart
Redemption Road – Straße der Vergeltung
Verlag C. Bertelsmann, 480 Seiten, € 20,—

Ein Junge wartet mit einer Waffe auf den Mann, der seine Mutter getötet hat. Eine Polizistin, die in Schwierigkeiten steckt, wird nach einer brutalen Schießerei mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Nach dreizehn Jahren im Gefängnis wird ein Polizist in die Freiheit entlassen – doch für wie lange?
John Hart beschreibt eine Stadt am Abgrund. Ihre Einwohner scheinen alle auf der Straße der Vergeltung unterwegs zu sein. Voller Geheimnisse, Verrat und nervenzerfetzender Spannung: Mit seinem neuen Buch beweist John Hart, dass er ein Meister des Thrillers aus den Südstaaten der USA ist.

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Historisches und Wissenswertes

Susanne Billig
Die Karte des Piri Re´is
Verlag C.H. Beck, 303 Seiten m. zahlr. Abb., € 18,95

Die Atlantikkarte des osmanischen Generals Piri Re’is, die um 1500 entstand, gibt seit Langem Rätsel auf: Die Ostküste Südamerikas ist erstaunlich präzise dargestellt – viel genauer, als Europäer sie schon kennen konnten. Erst 200 Jahre später erreichten portugiesische Karten ein ähnliches Niveau. Die Karte des Piri Re’is erweist sich als eine Frucht des geografischen und nautischen Wissens der Araber vor Kolumbus. Seit dem 12. Jahrhundert haben arabische Seefahrer versucht, das “Meer der Finsternis” in westlicher Richtung zu überqueren. Schon Jahrhunderte vor den Europäern konnten Araber Längen- und Breitengrade verlässlich ermitteln und exakte Karten zeichnen.
Susanne Billig führt anhand zahlreicher Abbildungen in die arabische Astronomie, Nautik, Kartografie und Seefahrt ein.

Daniel Schönpflug
Kometenjahre
Verlag S.Fischer, 320 Seiten, € 20,—

November 1918. Der Große Krieg hat die alte Welt in Schutt und Asche gelegt, und doch scheint das Schicksal der Menschheit so offen wie selten zuvor. Hell leuchten neue Möglichkeiten und Träume auf, das Ringen um die Zukunft beginnt. Die Kosakin Marina Yurlova kämpft in Sibirien gegen die Revolution, Käthe Kollwitz macht ihren Schmerz zu Kunst, Rudolf Höß marschiert mit dem Freikorps, Virginia Woolf revolutioniert den Roman, Walter Gropius will mit der Architektur die Gesellschaft verändern und die Publizistin Louise Weiss wirbt in Paris leidenschaftlich für ein vereintes Europa.
Virtuos schildert Daniel Schönpflug diesen einmaligen Moment und die Jahre, die folgten, aus der Perspektive von Menschen, die sie erfahren und geprägt haben. Das glänzend geschriebene Panorama einer einzigartigen Zeit zwischen Enthusiasmus und Enttäuschung, zwischen Zukunftstrunkenheit und Zerstörung.

Douglas Preston
Die Stadt des Affengottes
Verlag DVA, 380 Seiten, € 20,—

Schon seit dem 16. Jahrhundert gab es Gerüchte über eine Provinz im Regenwald von Honduras, deren Städte reich und prachtvoll seien, ganz besonders die Weiße Stadt, auch Stadt des Affengottes genannt. Immer wieder machten sich Abenteurer und Archäologen auf die Suche nach den Zeugnissen dieser Zivilisation, die offenbar nicht zu den Maya gehörte. Manchmal stießen sie tatsächlich auf Ruinen, aber eine wirkliche Erforschung war in dem von giftigen Schlangen und tödlichen Krankheitserregern verseuchten und vom Dschungel überwucherten Gelände unmöglich. Erst die moderne Lasertechnik, mit deren Hilfe das Gelände aus der Luft gescannt wird, ermöglichte genauere Hinweise, wo sich größere Ansiedlungen befinden. Um sie vor Ort zu untersuchen muss man sich allerdings auch heute noch auf den beschwerlichen Weg durch den Dschungel machen. Der Schriftsteller und Journalist Douglas Preston schloss sich kürzlich einer archäologischen Expedition an. Sie fand tatsächlich die eindrucksvollen Ruinen einer untergegangenen Stadt, aber sie zahlte am Ende auch einen hohen Preis.

Jürgen Neffe
Marx – Der Unvollendete
Verlag C.Bertelsmann, 544 Seiten, € 25,—

Seit der Kommunismus in Marxs Namen – aber nicht in seinem Sinne – Geschichte ist, feiert Marx ein bemerkenswertes Comeback. Anlässlich seines 200. Geburtstags erkundet Jürgen Neffe dessen Ursachen – in Marx Schriften wie in seiner Biografie. Er schildert das Leben eines Flüchtlings und geduldeten Staatenlosen, der für seine Überzeugungen keine Opfer scheut. Weder Krankheit, Armut, Ehekrisen noch Familientragödien halten ihn davon ab, beharrlich an seinem Werk zu arbeiten. Mit seiner Analyse des Kapitalismus als entfesseltem System sagt er die globalisierte Welt unserer Tage bis hin zur Finanzkrise voraus. Neffe zeichnet die Entwicklung der Marxschen Gedankenwelt von Entfremdung und Ausbeutung in den Frühschriften bis zur ausgereiften Krisentheorie im Kapital nicht nur nach. Als erfahrener Popularisierer der Wissenschaft erklärt er die Theorien in verständlicher Form und konfrontiert sie mit der Realität des 21. Jahrhunderts.

Jens Rosteck
Joan Baez – Porträt einer Unbeugsamen
Verlag Osburg, 350 Seiten, € 24,—

Die beispiellose Laufbahn von Joan Chandos Baez, der musikalischen Galionsfigur der Bürgerrechtsbewegung, des konsequenten Pazifismus und der US-amerikanischen Gegenkultur, umspannt mittlerweile annähernd sechs Jahrzehnte. Die Ikone des Protestsongs präsentierte ihre Vision einer gewaltfreien Weltordnung beim Marsch auf Washington und in Woodstock. Der Musikwissenschaftler und erfahrene Biograf Jens Rosteck legt mit seinem ebenso kenntnisreichen wie einfühlsamen Porträt der Königin des Folk die erste umfassende Auseinandersetzung mit der unbequemen Songwriterin seit Jahrzehnten vor. Er schildert den abenteuerlichen Lebensweg der Weltbürgerin, Bob-Dylan-Weggefährtin und Amnesty-International-Preisträgerin von den Studenten-Cafés der Ostküsten-Boheme über die Festivals der Blumenkinder bis hin zum Widerstand gegen den Irakkrieg und gegen Trump. Parallel dazu geht Rosteck den stilistischen Merkmalen, ästhetischen Besonderheiten sowie der politischen Dimension von Baez’ wichtigsten Liedern, Hymnen und Alben nach.

Nützliches und Schönes

200 Frauen – Was uns bewegt
Herausgegeben von Geoff Black well u. Ruth Hobday
Verlag Sandmann, 288 Seiten m. Zahlr. Fotos, € 35,—

Die in diesem Buch zu Wort kommenden Frauen haben bei aller Unterschiedlichkeit große Gemeinsamkeiten, nämlich ihren Mut, ihr Engagement und die Kraft ihrer Stimme. Sie sind berühmt, völlig unbekannt, sie haben verschiedene Religionen und Hautfarben, sie sind Überlebende von Gewalt und Kämpferinnen für eine bessere Welt. Alle Frauen sind von einem Fotografenteam porträtiert worden, und sie alle haben sechs Fragen beantwortet, deren Antworten unter die Haut gehen. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen nicht nur in den USA Populisten Demokratien gefährden, Frauenrechte unterdrückt und Minderheiten an den Rand gedrängt werden, möchten wir die Stimmen entschlossener Frauen deutlicher denn je zu Gehör bringen. Unter anderem mit:
Isabel Allende, Gillian Anderson, Bettina Böttinger, Jane Goodall, Hélène Grimaud, Whoopie Goldberg, Dr. Monika Hauser, Amber Heard, Julia Leeb, Anne-Sophie Mutter, Sasha Marianna Salzmann, Jutta Speidel, Paula Weinstein, Chimamanda Ngozi Adichie …

James Cheshire, Oliver Uberti
*Die Wege der Tiere –
ihre Wanderungen an Land, zu Wasser und in der Luft anhand von 50 Karten*
Verlag Hanser, 174 Seiten, € 34,—

James Cheshire und Oliver Uberti zeigen uns mit Hilfe neuester digitaler Daten etwas, das bis vor kurzem noch ein Mysterium war: weshalb und wohin die Tiere wandern. Auf vielen liebevoll gestalteten, großformatigen Karten und Infografiken durchqueren Schildkröten ganze Ozeane, machen Wale an Unterwassergebirgen Rast und weichen riesige Waldsänger-Schwärme Tornados aus. Wir sehen erstmals, wohin Elefanten vor Wilderern fliehen, wie Otter kalifornische Küstengebiete zurückerobern, wie niederländische Seeschwalben den Weltrekord der längsten Tierwanderung brechen und wohin Wale vor Lärm fliehen. Dieser faszinierende Bildband ist ein ideales Geschenk für jeden Natur- und Tierliebhaber.

Gérard Denizeau
Das große Leonardo da Vinci Buch
Verlag Theiss, 128 S. m. 300 farb.Abb., € 39,95

Das große Leonardo-Buch stellt Leben und Werk des Universalgenies in 30 kompakten Kapiteln vor. Es zeigt den begnadeten Künstler ebenso wie den Architekten, Ingenieur und Naturforscher. Mehr als 300 Abbildungen, die außergewöhnliche Ausstattung und zahllose Zeichnungen zum Herausnehmen und Ausfalten sorgen für beste Information und tolle Effekte.
Leonardo da Vinci (1452-1519) war ein genialer Maler, großartiger Zeichner und wegweisender Erfinder. Schon früh wurde er als “uomo universale” und Ideal des Renaissance-Menschen verehrt. Leonardo schuf nicht nur bedeutende Gemälde wie die “Mona Lisa” oder das “Abendmahl”. Er hinterließ auch 6000 künstlerisch wertvolle Blätter mit Naturstudien, Architektur, Anatomie, Flug- und Waffentechnik. Unangestrengt und unterhaltsam bietet dieser Band einen zuverlässigen Überblick über alle Bereiche seines Schaffens. Mehr als 300 Abbildungen von Kunstwerken und Reproduktionen der berühmten Skizzen- und Notizbücher werden präsentiert.

Björn Kroner
Tischkultur – traumhaft dekorieren für Feste und Gäste
Verlag Callwey, 192 Seiten, 250 farb.Abb., € 29,95

Starflorist Björn Kroner präsentiert über 20 spektakuläre Tischdekorationen für jeden Anlass und für jedes Budget. Vom romantischen Candlelight-Dinner über die große Weihnachtstafel, dem Kaffeeklatsch mit Freunden bis zur bunten Familienfeier – außergewöhnliche und inspirierende Dekorationen sollen Lust auf den gedeckten Tisch machen. Denn von einem ist Björn Kroner überzeugt: gut kochen allein reicht nicht! Es wird Zeit zu zeigen, dass zu einem perfekten Essen auch ein perfekt gedeckter Tisch gehört. Neben zahlreichen Deko-Ideen bietet dieser Ratgeber auch eine umfassende Kunde über Besteck, Glas und Tischmanieren. So ist Tischkultur, weniger ein Buchtitel als ein Ausrufezeichen und Plädoyer für ein ganzheitliches Begreifen des gemeinsamen Speisens – mit Freunden, Familie, mit dem Partner oder Geschäftsfreund, mit einem tollen Menü und einem unvergesslichen Tisch.

Yotam Ottolenghi u. Helen Goh
SWEET – Süsse Köstlichkeiten
Verlag Dorling Kindersley, 368 Seiten, farb. Fotos, € 26,95

Entdecken Sie mit Yotam Ottolenghi süße Köstlichkeiten aus aller Welt! In seinem neuen Kochbuch entführt Sie der Starkoch zusammen mit seiner langjährigen Kollegin und Süßspeisen-Expertin Helen Goh in die farbenfrohe Welt der süßen Genüsse. Lassen sie sich verführen von Schoko-Anis-Cookies, Tahin-Halva-Brownies, Aprikose-Amaretto-Cheesecake, Grapefruit-Sorbet oder Safran-Pistazien-Krokant! 120 unwiderstehliche Rezepte bestechen nicht nur durch frische Zutaten, exotische Gewürze sowie komplexe Aromen, sondern liefern auch den eindeutigen Beweis: der israelisch-britische Starkoch ist ein wahrer Meister in der Kunst der Patisserie!

Kinder- und Jugendbücher

Sabine Bohlmann
Und plötzlich war Frau Honig da
Verlag Planet, 224 Seiten, € 12,99
für Kinder ab 8 Jahre

Zauberhaft und magisch – das ist Frau Honig! Gut, dass sie als Kindermädchen arbeitet, denn da kann man gar nicht genug Zauber und Magie in sich haben. Und wo Frau Honig auftaucht, dauert es nicht lange, bis etwas ngewöhnliches passiert! Auch die Kinder der Familie Sommerfeld staunen nicht schlecht, als von einer Sekunde auf die andere der Kühlschrank mit den feinsten Köstlichkeiten gefüllt ist oder alle bösen Worte schwuppdiwupps in einer Schublade verschwinden. Doch den größten Spaß, den haben sie abends, wenn sie auf einem fliegenden Teppich ins Bett gebracht werden. Aber das sind noch längst nicht alle Überraschungen, die Frau Honig aus ihren großen, gelben Manteltaschen zaubern kann. …

Mira Bartók
Der Wunderling
Verlag Aladin, 544 Seiten, € 16,95
für Kinder ab 10 Jahre
David Baddiel

Bekannt als Nummer Dreizehn lebt eine einohrige, schüchterne Kreatur – halb Fuchs, halb Mensch – im Heim für missratene Wesen. Unter dem grausamen Regime der Heimleiterin Miss Carbunkle muss Nummer Dreizehn endlose Schikanen über sich ergehen lassen. Doch er hütet ein Geheimnis, dessen wahre Ausmaße ihm erst bewusst werden, als er sich mit dem Vogel Trixi anfreundet. Er hört Geräusche, die kein anderer wahrnimmt – wie Mäuse in den Wänden flüstern, Bienen Nektar schlürfen und meilenweit entfernten Vogelgesang. Mit Trixis Hilfe entkommt er dem Waisenhaus und macht sich auf den Weg in die große weiße Stadt. Und mit jedem Schritt der Reise erkennt er, dass nur seine Begabung eine Katastrophe verhindern kann. Denn nur er ist der Wunderling.

Rüdiger Bertram
Der Pfad
Die Geschichte einer Flucht in die Freiheit
Verlag cbj, 240 Seiten, € 12,99
ab 12 Jahre

Frankreich 1941: „Gut oder böse?“ ist mehr als nur ein Spiel, mit dem sich der zwölfjährige Rolf und sein Vater die Zeit auf der Flucht vertreiben. Wie so viele andere deutsche Flüchtlinge, die von der Gestapo gesucht werden, sitzen die beiden in Marseille fest, weil sie keine Ausreisegenehmigung erhalten. Ihr Ziel ist New York, wo Rolfs Mutter auf sie wartet. Der einzige Weg in die Freiheit ist ein steiler Pfad über die Pyrenäen. Fluchthelfer Manuel, ein Hirtenjunge kaum älter als Rolf, soll sie über die Berge führen. Heimlich und gegen das Verbot seines Vaters, nimmt Rolf seinen geliebten Hund Adi mit, und so machen sie sich zu viert auf einen gefährlichen Weg in eine ungewisse Zukunft.

Martin Schäuble
Endland
Verlag Hanser, 224 Seiten, € 15,—
ab 14 Jahre

Der junge Soldat Anton bewacht die Grenzmauer, die Deutschland umschließt. Er ist begeistert von der Nationalen Alternative, der neuen Regierungspartei, und vom Selbstbewusstsein seines Landes. Seinem besten Freund Noah dagegen ist diese Politik verhasst. Er ist weder für Atomkraft und die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe, noch findet er es richtig, dass Flüchtlingen kein Schutz geboten wird: Menschen wie Fana, die nach ihrer Flucht aus Äthiopien im letzten Flüchtlingslager Deutschlands auf Anton trifft und sich mit ihm anfreundet. Als Anton einen tödlichen Anschlag ausführen soll, ist er gezwungen, sich zu entscheiden: für eine nationale Ideologie oder für seine Freunde – und ein freies Leben.

Unser besonderer Tipp für Kinder ab 6 Jahre und für die ganze Familie:

Peter Wohlleben
Hörst du die Bäume sprechen
Eine kleine Entdeckungsreise durch den Wald
Verlag Oetinger, 128 Seiten, € 16,99

Den Wald erleben, staunen und Spaß haben mit Peter Wohlleben! Haben Bäume eine eigene Sprache? Müssen Baumkinder in die Schule gehen? Warum haben Waldtiere Angst vor Menschen? Peter Wohlleben beantwortet Fragen, die ungewöhnlich, originell und oft sehr lustig sind. Seine leicht verständlichen und fast immer überraschenden Antworten lassen Kinder das Leben im Wald mit ganz anderen Augen sehen. Der begnadete Erzähler schöpft dabei aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Förster und Naturschützer und stützt sich darüber hinaus auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse.

Rittersche Buch- & Kunsthandlung
59494 Soest | Grandweg 1a
Telefon: 02921 4641
Telefax: 02921 4543

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Telefax: 02924 5323